Der Schatten von Trump überm Schwabenland
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- Der Schatten von Trump überm Schwabenland

Zu Deutschlands Stärken zählt die Herstellung von Werkzeugmaschinen. Die Nachfrage im bisher noch größte Exportmarkt China bildet sich zurück, während das Geschäft mit den USA boomt.

Die hervorragend laufende deutschen Automobilindustrie sorgt im Werkzeugmaschinenbau für zufriedene Gesichter, denn ohne die Maschinen, welche in diesem Sektor hergestellt werden, wie beispielsweise Komponenten im Motorblock, die in die richtige Form gefräst werden, oder Karosserieteile die gestanzt werden, würden keine Wagen von VW oder Mercedes vom Band rollen.

Exportweltmeister

Laut den Zahlen des Branchenverbands VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabrik) wurden in Deutschland im vergangenen Jahr Werkzeugmaschinen im Rekordwert von 15,2 Mrd. Euro hergestellt. Die Einnahmen aus dem Export, ohne Zubehör und Ersatzteile, beliefen sich auf 7,6 Mrd. Euro. Dadurch wurde die bis hierher führende Konkurrenz aus Japan, welche Einnahmen in Höhe von 6,3 Mrd. Euro hatten, auf Platz zwei verwiesen.

Vor allem die große Nachfrage aus den USA erwiesen sich als Wachstumstreiber. Bezüglich der Ankündigung der Trump Regierung scheinen viele amerikanische Kunden euphorisch zu sein, auch wenn es die Deutschen wundert. Besonders die Aussicht auf Deregulierung und Versprechen wie «America First» würden in diesen Kreisen gut ankommen.

Die Maschinenindustrie in Deutschland dagegen muss sich mit zahlreichen Auflagen der Regierungskoalition auseinandersetzen. Hierzu zählen Mindestlöhne, Brandschutzbestimmungen und Frauenquoten in den Aufsichtsräten. Die IG Metall, Dachgewerkschaft der deutschen Maschinenindustrie, verhält sich seit geraumer Zeit bezüglich der Fragen um die Erhaltung von Standortqualität, ähnlich wie ihr Gegenstück im Chemiesektor, konstruktiv, welches positiv gewertet wird. Somit sind den deutschen Gewerkschaftsbossen verbissene und ideologisch geführte Diskussionen der Schweizer Kollegen offenbar fremd.

Teurer Standort Amerika

Die Werkzeugmaschinenhersteller aus Deutschland trauen dem Aufschwung nur bedingt, wegen der Geschäftsentwicklung in den USA. 60% der in Amerika verkauften Maschinen werden importiert. Dies gibt Anlass zur Sorge. Schweizer, Deutsche oder japanische Hersteller sehen sich deswegen Druckversuchen ausgesetzt, häufiger Produktionskapazitäten in die USA zu verlegen. Als Fertigungsstandort ist Amerika aber alles andere als günstig. Der Einkauf von Maschinenteilen schlägt stärker zu Buche, da das Netz der lokalen Zulieferer löchrig ist. Der Mangel an technisch fachkundigem Personal ist ein weiterer kostentreibender Faktor. Ein duales Berufsbildungssystem, wie die Schweiz und Deutschland, kennt die USA nicht.

Obwohl die Geschäfte mit Amerika boomen, blieb China dennoch, zumindest im vergangenen Jahr, für die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie mit fast 20% Anteil der wichtigste Exportmarkt. Die Nachfrage aus dem Reich der Mitte war abermals rückläufig. Das führte dazu, dass die Ausfuhren auf 9,1 Mrd. Euro, um rund 3%, fielen. Durch die starke Entwicklung im Heimatmarkt konnte diese Schwäche kompensiert werden, denn der Anteil am Umsatz der deutschen Werkzeugmaschinenhersteller erreichte im letzten Jahr 34%.

Die Überkapazitäten in der verarbeitenden Industrie machen der Branche in China nach wie vor zu schaffen. So sind moderne Maschinenparks, welche erst in den vergangenen Jahren aufgebaut wurden, nur ungenügend ausgelastet. Mit dieser Herausforderung sind viele chinesische Firmen konfrontiert. Das deutlich verbesserte technologische Know-how der chinesischen Konkurrenten, welches sie dank einer Reihe von Akquisitionen in den traditionellen Maschinenbau-Nationen wie Italien und Deutschland und eigener Anstrengungen erlangten, kommt für westliche Maschinenproduzenten erschwerend hinzu. So produzieren die Anbieter aus China mittlerweile beispielsweise ebenfalls Lasermaschinen. Bezüglich der Leistungsfähigkeit sind diese zwar den Geräten der Firma Trumpf nicht ebenbürtig, allerdings deutlich günstiger. Laut dem deutschen Branchenverband VDW ist China heute mit Abstand, weltweit, der größte Hersteller von Werkzeugmaschinen, mit einem Volumen von insgesamt 16,5 Mrd. Euro. Die Länder Japan und Deutschland liegen inzwischen beinahe gleichauf.



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